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Pearl
Eine kleine irische Wildsau
In dieser Geschichte kommt die Bordercollie-Rescue, die auch schon
auf Laskas Seite kurz erwähnt wurde, nochmal zum Einsatz.
Wer einen Hund hat, der kann wohl gut nachvollziehen, wie oft
man sich denkt, dass einen zweiten zu haben doch das Größte sein
muss. Gerade weil Laska ja schon eine harte Nuss für uns war, wurde der
Wunsch bei mir (Nicole) immer größer, einen Welpen zu bekommen, bei
dem von Anfang an wir dafür sorgen können, wie er sich entwickelt.
Obwohl ich ja letztendlich doch keinen Hund aus Beas Rescue genommen
hatte, blieben wir in regelmäßigem Mailkontakt, so dass der Wunsch immer
stärker wurde, diese Frau doch mal kennenzulernen. Einige Monate, nachdem
wir Laska hatten, entschlossen wir uns, doch mal nach Geldern zu fahren, um
bei einer "Übergabe" der Irlandhunde an ihre neuen Besitzer dabei zu sein.
Es war ein klasse Tag und Bea ist eine wirklich tolle und starke Frau, die
einfach Unglaubliches leistet, um den vielen Hunden in Irland zu helfen.
Auch Ralph war sehr angetan von Bea, der Atmosphäre und natürlich den vielen
Hunden, so dass schon dort klar wurde, wenn wir irgendwann mal einen zweiten
Hund bekommen, dann einen von Bea (worüber sie dann auch sofort in Kenntnis
gesetzt wurde). Da sie einen erstaunlichen Hundeverstand besitzt und wir
natürlich Laska dabei hatten (die sich absolut vorbildlich inmitten der vielen
fremden Hunde benommen hat), wurde natürlich auch darüber gesprochen, was
für eine Art von Hund denn zu Laska passen würde. Bea meinte, dass es
entweder ein älterer, ruhiger Rüde sein sollte oder ein Welpe, der nicht
zu dominante und fordernde Züge hat, damit er Laska nicht schon von Anfang
an zu sehr nervt. Schon auf der Heimfahrt war für uns klar, dass wir
als nächstes auf jeden Fall einen Welpen wollten, da uns die Erfahrung mit
Laska wohl doch sehr geprägt hat.
Mit Bea hatte ich mich darauf verständigt, ihr Bescheid zu geben, wenn
wir soweit wären, einen zweiten Hund aufzunehmen. Und natürlich dauerte es
nicht lange und ich schrieb ihr eine Mail, dass wir es uns zutrauen würden.
Schon gleich kam eine Antwortmail, dass sie schon einen Hund für uns im
Auge hätte und einige Wochen später kam auch schon ein Bild, von einem irrsinnig
niedlichen schwarz-weißen Bordermädel. Leider ist die kleine Fancy einen Monat,
bevor sie nach Deutschland kommen sollte, an einer Immunschwächekrankheit gestorben
und damit vorerst auch mein Traum von einem Border.
Eine Woche bevor Bea dann nach Deutschland kam, erhielt ich noch eine
Mail von ihr. Sie fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, ein "Tomatencremesuppe-
mit-Sahne"-farbenes Welpenmädchen aufzunehmen, das ihrer Meinung nach sehr
gut zu Laska passen würde.
Ich war total aufgeregt, fand aber auf dem angehängten
Foto die tricolor Schwester des besagten Welpen wesentlich hübscher.
Aber prinzipiell waren wir natürlich immer noch bereit, einen zweiten Hund
hierher zu nehmen. Also einigten wir uns mit Bea darauf, dass sie beide Hunde
mit nach Deutschland bringt und Laska sich einen "aussuchen" darf - der andere sollte
dann in eine Pflegefamilie kommen und von Deutschland aus vermittelt werden (was
nicht unüblich ist).
Als der große Tag gekommen war und wir wieder mal eine lange, lange Autofahrt
antraten mit dem Wissen, schon wieder einen Hund mit nach Hause zu bringen, war
da doch ein recht mulmiges Gefühl: Wie wird das wohl mit Laska? Hab ich auch
wirklich Zeit genug, mich gleichwertig um beide Hunde zu kümmern? Und noch vieles
mehr.
Zeitgleich mit uns sind auch die Hunde in Geldern angekommen und zwischen den
recht groß ausschauenden Junghunden ist da noch ein kleines rotes Fellbündel
rumgetapst, dem ganz und gar nicht gut zumute war. Dieses kleine süße Etwas
verkroch sich auch ganz schnell unter einem Tisch und ward nicht mehr gesehen
(Bea hatte mir allerdings schon vorher gesagt, dass die kleine Pearl wohl ein
sehr ängstlicher Hund sei).
Also konzentrierte ich mich zunächst auf das tricolor
Mädchen (Onyx), die aber ganz offensichtlich überhaupt nicht Laskas Fall war. Daher
kroch ich dann doch noch unter den Tisch, um Pearl rauszulocken, die vor Angst
ununterbrochen am pieseln war und ganz hektisch vor sich hin winkte. Irgendwann
hab ich sie mir dann auf den Schoß gesetzt, den sie auch gleich vollpinkelte und
von dem sie dann gar nicht mehr runter wollte. Nach einem Telefonat mit Bea die
beiden Hunde betreffend entschlossen wir uns dann, auf jeden Fall Pearl mitzunehmen
(Ralph war ohnehin schon von Anfang an von ihr begeistert). Auf ging es dann zu einer
abenteuerlichen Heimfahrt, die ich schon wieder (siehe Laska) auf dem Rücksitz verbrachte.
Pearl war ganz begeistert von der Fahrt (was uns ehrlich erstaunte, hatte sie doch
gerade erst 22 Stunden Fahrt von Irland nach Deutschland hinter sich gebracht) und spielte
permanent mit dem mitgebrachten Zerrseil. Laska hingegen schaute mich die ganze
Zeit nur vorwurfsvoll an und schien fragen zu wollen, was das nun schon wieder solle -
sie war nicht wirklich begeistert von der ganzen Aktion, aber da Pearl sie in Ruhe
ließ, verhielt sie sich der Kleinen gegenüber ebenso.
Zu Hause angekommen inspizierte Pearl erst einmal alle Räumlichkeiten und ließ
sich dann auch ohne zu Murren in ihre Box einsperren - und dann ging das Licht aus
und der kleine Hund an.
Zum ersten Mal ohne Geschwister schlafen? Nein, das ging nun
wirklich nicht und Pearl murrte, schrie, jaulte und wimmerte - aber ich blieb hart. Nach
zwei Stunden war der Spuk vorbei und es gab seitdem nie wieder Probleme mit
"Zwergenaufstand" in der Box.
Laska gewöhnte sich recht schnell an den neuen Gefährten und auch wir haben von
Anfang an viel Freude mit Pearl gehabt. Gleiches gilt wohl auch für unsere Nachbarn,
die es immer wieder amüsant fanden, wenn ich mit zwei laufenden Hunden losgegangen bin und
die Kleine beim Zurückkommen in einem Einkaufskorb getragen wurde (um ihr noch keine allzu
langen Spaziergänge zuzumuten), was sie unheimlich toll fand. Auch in der Welpengruppe
war Pearl schnell der "Star", weil sie vom ersten Tag an zeigte, dass sie ein Faible
für Unterordnung hat und immer nur arbeiten, arbeiten, arbeiten will.
Leider war das Glück Pearl aber nicht allzu hold, da sich herausgestellt hat,
dass sie (wie alle ihre Geschwister) sehr, sehr schlechte Hüften hat.
Das ist um so schlimmer, weil sie es absolut Klasse findet, über Hürden zu hopsen und durch
den Tunnel zu laufen. Aber ich werde mich jetzt mit ihr auf Obedience konzentrieren,
was der kleinen Maus auch einen Riesenspaß macht - Hauptsache, sie darf arbeiten.
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